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Ganz schlecht gebrüllt, Löwe! – oder wie man seine Kompetenz verspielt

Kürzlich war ich in einem Onlinevortrag zu einem spannenden Thema. Ich habe mich angemeldet, da das Thema viel mit Führung und Führungsverhalten zu tun hat. Anfangs herrschte eine sehr lockere Atmosphäre, es wurde gescherzt, bis der Vortrag begann. Das empfand ich als sehr angenehm. Gestartet wurde mit einigen statistischen Grundlagen, was ja bekanntlich sehr hilfreich ist, um die Zuhörerinnen und Zuhörer zunächst mal ins Boot zu holen und die Problematik aufzumachen. Es wurden sehr beeindruckende Zahlen präsentiert und da kommt er zum ersten Mal um die Ecke. Der Löwe, der offensichtlich Eindringlinge in sein Revier (Thema) ausgemacht hat und nun mit einer ersten Frage sein Revier markiert.

 

Richtig zuhören

Das Problem allerdings: hätte Löwe richtig zugehört, müsste er die Frage nicht stellen. Aber ist ja klar. Löwe kennt sich am besten aus, bearbeitet die Thematik am längsten, hat die Erfahrung von unzähligen Beratungen und muss bei solchen Rand-Themen nicht mehr genau hinhören. Da kann man ja nebenbei auch ein paar Mails machen und schauen, was es Neues im Netz gibt. Die vielen Mails und auch das Internet lenken schon ein wenig ab und es macht sich ja gut, wenn mal erst mal das Revier markiert. Auch wenn es völlig überflüssig ist.

Wertschätzend fragen

Die Vortragenden reagieren sehr souverän auf die überflüssige Frage und es geht weiter. Keine zwei Slides später kommt Löwe wieder aus der Deckung mit der Aussage in sehr scharfen Ton: „Das ist fachlich falsch!“ Oh – fachlich falsch? Diese Aussage finde ich jetzt sehr spannend, da das Thema noch überhaupt nicht zu Ende gebracht ist. Löwe entscheidet also vorab schon mal, was fachlich falsch und was richtig ist. Bemerkenswert! Ein sehr souveräner Konter der Vortragenden, dass das schließlich die Rechtsauffassung eines anerkannten Fachmannes einer Universität sei, lässt Löwe unkommentiert. Manieren muss man ja nicht unbedingt haben, wenn andere ins vermeintliche Revier eindringen. Argumente für die Aussage? Fehlanzeige! Hauptsache erst mal gebrüllt und etwas behauptet. Laut hilft. Ich denke so bei mir: „Löwe, wer am lautesten brüllt, hat nicht immer recht.“

Argumentieren

Löwe hat aber seinen persönlichen Höhepunkt und aus meiner Sicht seinen fachlichen Tiefpunkt immer noch nicht erreicht. Damit man sich an ihn erinnert, kommt er wieder mit Gebrüll aus der Deckung, unterbricht den Vortrag erneut und gibt eine persönliche Spekulation und seine Rechtsauffassung dazu ab. Meinen dezenten Hinweis, dass das was vorgetragen wurde schließlich geltendes Recht sei, in diversen Gesetzen und Rechtsverordnungen festgeschrieben ist und dass alles auf der Welt erst mal bewiesen werden muss, lässt er – raten Sie mal – wieder unkommentiert.

Langsam frage ich mich, weshalb der selbsternannte Revierlöwe überhaupt in dieser Veranstaltung ist. Es ist ja völlig ok, wenn ich mir Vorträge aus meinem Fachgebiet anhöre, einerseits um zu sehen, was der Wettbewerb so macht und andererseits um auch etwas dazuzulernen. Dieser Geselle nimmt aber aufgrund seines Revierverhaltens und seiner Angst vor Rivalen die Rolle des aggressiven Störers ein.

Mein Dank gilt den beiden Vortragenden, die sich hoch professionell verhalten haben und sich durch dieses Verhalten nicht aus der Ruhe bringen ließen.

Dadurch ist es ihnen gelungen, sich auch durch destruktives Verhalten und eine niederschmetternde Kommunikationsfähigkeit von Löwe den Vortrag sehr kurzweilig und informativ zu Ende zu bringen.

Wunsch

Dem selbsternannten Revierchef wünsche ich, dass er niemals bei einem Vortrag – falls er überhaupt welche hält –  Teilnehmende hat, der sich so verhalten wie er. Wenn ich mir nun überlege, dass Löwe ein Unternehmen führt, Kunden berät und sogar evtl. coacht, dann zweifele ich an den Kommunikationsfähigkeiten und der Kompetenz von Löwe. Aber jeder ist verantwortlich für seine Handlungen und seine Kommunikation. Manieren sollten allerdings vorhanden sein.

Falls sich also Löwe in diesem Blog wieder erkennt und reflektiert, dann stehe ich gerne zur Verfügung, um mit ihm die Grundzüge der Kommunikation zu erarbeiten. Ebenso kann ich unterstützen im Bereich (Revier-)Verhalten. So könnte er nach ausgiebigem Coaching in der Lage sein, auch in der Gruppe zu jagen und seine Kompetenzen gewinnbringend einzusetzen. Auch seine Positionierung könnten wir nochmals schärfen.

Was lernen wir daraus?

Es lohnt sich nicht, nur laut zu brüllen und Halb- oder Unwahrheiten so darzustellen, als wenn sie richtig wären. Fehlendes Sozialverhalten tötet die Kompetenz!

Hören wir also auch denen zu, die leise sind und ihre Fragen adäquat stellen können. Nobody is perfect und jeder kann vom anderen lernen, auch Löwe.

 

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