Die wirksamen Säulen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements ….. oder reales BGM über Fitnessangebote und Freigetränke hinaus

Hohe Fluktuationsquoten, ein dauerhaft anhaltender Bewerbermangel und ein weit über dem Durchschnitt in Deutschland liegender Krankenstand rücken das Thema „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ noch weiter in den Fokus der Call- und Contactcenter-Branche. Fraglich ist allerdings die Wirksamkeit der eingeleiteten Maßnahmen.

Krankmeldungen
Die Grafik zeigt den durchschnittlichen Krankenstand in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in den Jahren 1991 bis 2016. Im Jahr 2004 lag der durchschnittliche Krankenstand in der gesetzlichen Krankenversicherung bei 3,38 Prozent. In den Jahren 2014 und 2015 z. B. war der Anteil der Krankmeldungen nur bei Callcentermitarbeitern doppelt so hoch.

Schaut man sich die Statistiken der letzten Jahre an, so gibt es noch unendlich viel zu tun. Hier einige weitere Fakten, die alarmierend sind und die Frage aufwerfen, warum das Thema noch nicht viel mehr in den Fokus genommen wurde. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln von 2014[1] beschreibt, wie wenig Unternehmen sich ernsthaft und umfassend dem Gesundheitsmanagement widmen.

Jedes zweite Unternehmen möchte durch Gesundheitsmanagement die Arbeitsabläufe verbessern!!!! Ebenso jedes zweite Unternehmen bietet wenigstens eine Arbeitsumgebung nach ergonomischen Gesichtspunkten. Das bedeutet zunächst im Umkehrschluss, dass knapp 50% der Unternehmen dem Gesundheitsmanagement allgemein und der Ergonomie am Arbeitsplatz keine Beachtung schenken.

Nur 29% der Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Schulungen und Beratung zu Gesundheitsthemen an. Lediglich 13% der befragten Unternehmen bieten ihren Führungskräften Schulungen und Weiterbildungen zur gesundheitsgerechten Führung an. Ein niederschmetterndes Ergebnis!

Eine weitere Studie des IDW[2] kommt zu dem Ergebnis, dass in Unternehmen, in denen mindestens eine Maßnahme zum BGM angeboten wird, im Schnitt nur in 39% der Unternehmen die angebotene Maßnahme auf einer regelmäßigen Analyse der betrieblichen Situation beruht.

Noch überschaubarer wird dann die Anzahl der Unternehmen, die das BGM schriftlich in den Unternehmensleitlinien verankert haben. Im Schnitt sind das gerade mal 18% aller befragten Unternehmen. Zu beachten ist allerdings, dass mit zunehmender Größe der Unternehmen auch die Werte steigen. Aber gerade die große Menge der kleinen und mittleren Unternehmungen ist auf diesem Gebiet extrem zurückhaltend.

Betriebliches Gesundheitsmanagement besteht aus mehr, als Angeboten zu Fitnesskursen oder Tipps zu gesunder Ernährung. Ein wirksames BGM umfasst alle Bereiche des täglichen Arbeits- und Privatlebens. Dazu gehört Führung, Management, selbstverständlich die vorher beschriebenen Angebote. Das alles zahlt nicht nur auf die Gesundheit, sondern auch auf ein gutes Betriebsklima ein. Führung und Management sind hier besonders gefordert, nachhaltig zu agieren. Nur Angebote für Mitarbeiter zu machen und sie eventuell noch nicht mal an der Auswahl der Maßnahmen zu beteiligen, reicht nicht aus.

Wir haben uns dieses Themas angenommen und bieten ein umfassendes und praxisorientiertes und erprobtes 4-Säulen-Modell an, dass die Gesundheitsquoten steigen und die Fluktuationsquoten sinken lässt. Das ist keineswegs mit hohen Investitionen verbunden, sondern weitgehend mit Attention der Führungskräfte auf das Thema.

Wie die einzelnen Säulen mit Maßnahmen versehen werden und die Bausteine zusammengefügt werden, beschreibe ich in den kommenden Beiträgen.

[1] Befragung von 1305 Unternehmen im Zeitraum Mai und Juli 2014 im Rahmen des Personalpanels

[2] IDW Köln: Christiane Flüter-Hoffmann, Beate Placke, 2014