Präsentismus vs. Fauleritis – Die erste Säule eines BGM

Wenden wir uns dem Fundament der ersten Säule zu. Es ist der wichtigste Teil eines funktionierenden BGM und derjenige, der viel zu wenig beachtet wird. Es ist die FÜHRUNG.

Dem Part der Führung kommt zunächst die Aufgabe zu, einen funktionierenden Prozess zum betrieblichen Gesundheitsmanagement aufzustellen, der für alle Beschäftigten in einem Unternehmen Gültigkeit hat und wirklich gelebt wird. Hier müssen alle Belange des BGM einschließlich der Zuständigkeiten festgelegt werden. Dazu gehören folgende Punkte:

  • Aufstellung eines (Krank-)Meldeprozesses
    Bei wem müssen sich die Mitarbeiter bis wann gemeldet haben? Welche Art der Meldung wird akzeptiert? Wie lange darf die Zeitspanne bis zur Meldung sein? Ab wann muss ein ärztliches Attest vorgelegt werden?
  • Führen von Rückkehrgesprächen
    Wer führt Sie? Wann werden sie geführt? In welchem Rahmen werden sie geführt? Kann der Mitarbeiter eine Vertrauensperson hinzuziehen? Was sind die Inhalte?
  • Führen von Präventionsgesprächen
    Hier gelten die gleichen Parameter wie oben aufgeführt
  • Lob und Anerkennung für gesunde Mitarbeiter
    Wie honorieren die Führungskräfte die dauerhafte Anwesenheit von Mitarbeitern? Wie wird „dauerhafte Anwesenheit“ definiert? Wie wird „Präsentismus“ verhindert?
  • Begleitung der Erkrankung
    Werden die erkrankten Mitarbeiter stufenartig begleitet, z.B. durch eine Genesungskarte nach X Tagen, einem Blumenstrauß für gute Genesung bei längerer (im Prozess zu definieren) Abwesenheit und einem Willkommensgruß bei der Rückkehr?
  • Verantwortlichkeit der Führungskräfte
    Welche Verantwortung haben die Führungskräfte für die Gesundheitsquote? Kennen die Führungskräfte ihre Gesundheitsquote? Sind die Kosten des Ausfalls durch Krankheit bei jeder Führungskraft bekannt? Sind die Führungskräfte für das BGM geschult?

Das sind die wichtigsten Eckpfeiler, die in einem BGM-Prozess enthalten sein müssen. Natürlich kann man noch zusätzliche Themen aufnehmen, wie z.B. der Umgang mit häufig erkrankten Mitarbeitern. Ebenso kann man in regelmäßigen Abständen, etwa halbjährlich, mit allen beteiligten Führungskräften, HR und eventuell auch, wenn vorhanden, Betriebsärzten eine Veranstaltung durchführen, bei der jede Führungskraft Stellung zu den angefallenen Abwesenheiten durch Krankheit nimmt und über die eingeleiteten Maßnahmen berichtet. Dabei ist darauf zu achten, dass nicht versucht wird, über Krankheitsbilder einzelner Mitarbeiter zu sprechen, sondern nur über die Aufgabenstellungen aus dem festgelegten Prozess.

Wichtig ist immer, dass kein Fingerpointing auf kranken Mitarbeiter gelegt wird, sondern dass mit der Thematik sensibel umgegangen wird. Im Laufe der Zeit werden Sie merken, dass die Menschen, die wirklich ernster erkrankt sind, erkennbar werden. Diese Menschen werden dann auch, wenn sie Vertrauen erfahren, offener auf ihre Führungskräfte zugehen.

Freuen Sie sich auf den nächsten Teil in 2 Wochen, wenn wir auf die Angebote eines funktionierenden BGM zu sprechen kommen!